1871 Reichsgründung

Die Gründung des Deutschen Reiches 1871 prägte die Geschichte Europas und der Welt bis 1945. Sie war in gewisser Weise ein erster Abschluss der Bildung europäischer Nationen, die mit Frankreich des 16-ten und 17-ten Jahrhunderts einen kräftigen Schub erhalten hatte. Die Reichsgründung in Versailles war nicht der einzige Grund, schon gar nicht ein zwingender Grund für die beiden Weltkriege. Der Deutsch - Französische Krieg wurde formell mit dem "Frankfurter Frieden" am 10.Mai beendet.

Die national konservativen Kräfte der Weimarer Zeit feierten den Reichsgründungstag am 18. Januar. Ihr Ziel war die Korrektur der Niederlage von 1918, nicht im Ausgleich mit den umgegebenden Staaten sondern als Ergebnis Deutscher Hegemonie in Europa. In der Universität Frankfurt (Goethe Universität) lehrten die Professoren Küntzel und Platzhoff. Sie betrachteten deutsche Geschichtswissenschaft als Mittel im Kampf gegen französische Geschichtswissenschaft; Wissenschaften, die sich auch in den Dienst des kriegerischen Patriotismus der jeweils eigenen Nation gegen die andere stellten. Dazu werden einige Artikel und Reden Platzhoffs (Rektor der Goethe-Universität von 1933 bis 1945) mit einleitendem Text veröffentlicht.

Angestoßen wurden die Seiten im Netz durch die Frankfurter Rundschau, welche 2021 ein Artikelserie zu 1971 veröffentlicht. Auf diese Artikel und die anderer Zeitungen zum Thema wird verwiesen.

Musée Nicéphore Niépce: Installation wider den Patriotismus

2015 wurde diese Bilder einer Installation zum Ersten Weltkrieg aufgenommen. Der Weltkrieg I war auf deutscher wie französischer Seite eine Eskalation des kriegerischen Patriotismus. Die Installation in dem Museum in Chalon sur Saône zeigt den französichen kriegerischen Patriotismus. Zum Abgewöhnen.

1871 und ein national konservativer Weg zum Rektor im Dritten Deutschen Reich

Walter Platzhoff war von 1934 bis 1944 Rektor der Goethe Universität. 10 Jahre lang. Als ernstzunehmender Gelehrter (nach Notker Hammerstein) und Professor für Mittlere und Neue Deutsche Geschichte hat er sich in der Weimarer Zeit auf einen Weg begeben, der ihn 1933 zum Bewunderer und Verfechter des Dritten Deutschen Reiches machte. Dem vornehmen konservativen Professor Platzhoff ist Anfang der 1930er Jahre alles Schnuppe, die Überfälle der SA Anfang der 1930er Jahre wie die Meuchelmorde (1934) an SA-Führer Röhm und dem rechtskonservativen General Schleicher, die Entlassung seiner konservativen Kollegen (1933), weil sie Juden sind; wenn nur das Parlament durch das Führerprinzip ersetzt, Marxismus und Liberalismus mit dem artfremden Judentum geistig und politisch vernichtet sind. Ein Volk, ein Führer für die Vorrangstellung Deutschlands in der Welt.

Nachdem Walter Platzhoff ab 1923 als o.ö. Professor in Frankfurt zu lehren begonnen hatte, suchte er seinen ersten halböffentlichen Auftritt als Redner auf der  (wie er sagt bescheidenen) akademischen Feier zum Reichsgründungstag 1925 in den Räumen der Universität. Einen solchen Auftritt organisierte er sich erneut 9 Jahre später am 18.Januar 1934, fast ein Jahr nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler durch Hindenburg. Jetzt in der Oper von Frankfurt.

Die Summe seiner vermeintlich wissenschaftlich gestützen politischen Überzeugungen zieht er dann in der Rede zum Amtsantritt als Rektor im November 1934:

"Er [Hitler] hat die von ihm selbst konzipierten neuen Ideen des Nationalsozialismus mit den besten Traditionen preußisch-deutscher Geschichte verknüpft. Erst er hat, was ein Bismarck zu seiner Zeit noch nicht vermochte, Volk und Staat innerlich unlöslich miteinander verschmolzen."

Der Weg hin zu diesem Bekenntnis und dieser Handlungsgrundlage kann den Veröffentlichungen Platzhoffs seit seiner Zeit als Schüler Bezolds und dann heimlicher Anwärter auf die Nachfolge Küntzels verfolgt werden. Fünf davon werden werden digital zur Verfügung gestellt. 

Klosterkirche Ilsenburg, Heldentafeln rund um 1871

Ilsenburg beherbergte ein Benediktinerkloster seit dem 11-ten Jahrhundert, der Zeit des ottonischen Kaisertums. Es liegt im östlichen Harzvorland (nahe bei Wernigerode, weiter ab von Quedlinburg) im Stammland der Ottonen. Otto I gilt im 10-ten Jahrhundert als Gründer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die romanische Klosterkirche entstand später, atmet aber den Geist des romanischen Mittelalters. Sie wurde kürzlich restauriert. Ungläubig steht man vor der Südwand der etwa 1000 Jahre alten Kirche. Sie wurde der Entwicklung des "Deutschen Reiches" seit 1814 gewidmet und dementsprechend restauriert.

Artikel aus der Serie der Frankfurter Rundschau zu 1871

sowie verwandter Artikeln aus anderen Zeitungen

Die Frankfurter Rundschau nimmt sich des Gründungsjahres des Deutschen Reiches an (später auch Zweites Deutsches Reich). Die Artikelserie beginnt mit einer historischen Würdigung der Verfassung des Deutschen Bundes, die am  31.12.1870 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde und am 1.1.1871 in Kraft trat.